Dimitri de Perrot

UNTER UNS – Eine Reise in die Tiefen des Bodens
Ein Klangtheater von Dimitri de Perrot

In UNTER UNS hören wir dem Boden zu. Boden ist alles, aus ihm kommt alles, auf ihm lebt und begegnet es sich und in ihn geht letztlich alles wieder ein.

UNTER UNS ist keine traditionelle Theateraufführung – es ist eine einzigartige, immersive Theaterproduktion, die das Publikum in eine intime, unvorhersehbare Welt entführt, die durch ihre Unmittelbarkeit und emotionale Tiefe besticht und die Zuschauer*innen mit einem einmaligen Erlebnis belohnt. Das Publikum erkundet durch Deep Listening die verborgenen Welten des Bodens als lebendigen Schatz. Die Szenografie besteht aus einer aufblasbaren Hülle, die den gesamten Aufführungsraum einnimmt und die Aussenwelt zum Verschwinden bringt. Im Inneren der Hülle stossen die Besucher*innen auf einen weitläufigen, klingenden und bebenden Boden. Als riesiges Musikinstrument lädt dieser ein, sich hinzulegen und ihm zuzuhören. Wer das tut, taucht in einen dynamischen Resonanzraum aus Klängen und Geräuschen ein, die sich frei mit Erdboden, Grund oder Untergrund assoziieren lassen: mit den rumorenden Tiefen und Schätzen der Erde, wo unzählige Lebewesen täglich ihre Spuren hinterlassen, wie auch der lebendigen Oberfläche, auf der wir uns täglich begegnen.

UNTER UNS erkundet Fragen des Zusammenlebens: Was ist das Fundament unseres Miteinanders, und wie stabil ist es wirklich? Es geht um den Boden, auf dem wir stehen – im wörtlichen und übertragenen Sinne. Schwingt darin nicht immer die Frage mit: Als Teil wovon sehen wir uns? Was bedeutet Wir? Wie fest darf oder kann dieser Boden noch erodieren – gesellschaftlich, ökologisch, existenziell? Und wenn der Boden unter uns schwindet, wann stehen wir auf und engagieren uns? Das Uns steht dabei zur Debatte: Ist es meine Peergroup, sind es wir Menschen oder etwas, das über das Menschliche hinausgeht und alles umfasst, was unsere Welt ausmacht?

Die gesellschaftlichen Fragestellungen des Miteinanders und des Verbunden Seins begleiten de Perrots Arbeiten durchgehend und werden mit jeder Kreation erweitert, vertieft und aus anderen Perspektiven betrachtet. «Zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven hinterfragt Dimitri de Perrot mit großer Geschicklichkeit die Barrieren zwischen den Individuen. Ihm gelingt das Kunststück, kollektiv zu sein, obwohl er unsere persönlichsten Assoziationen aktiviert.» (La Terrasse)

In UNTER UNS hören wir einer Welt zu, in der nicht nur der Mensch das Zentrum des Geschehens ist. Vielmehr ist er Teil eines grossen Ganzen.

PRESSE STIMMEN

«Ein Highlight der Saison! [...] Er fordert uns dazu auf, genau hinzuhören – Unter uns: Man sollte hingehen.»
Tages-Anzeiger, Stefan Busz, 7. November 2024

«Grosse Kunst ist immer eine Art Aufmerksamkeitsgenerator. Sie verändert unsere Wahrnehmung, erweitert unseren Blick und lässt uns die Realität für einige Augenblicke völlig neu oder anders sehen. [UNTER UNS] hat mich an diesen Punkt des Empfindens gebracht, von dem aus die Welt sich auf mirakulöse Weise weitet.»
Mathias Balzer @frida-magazin.ch, Nov2024

«In UNTER UNS kommt verbale Sprache ebenso wenig vor wie konkrete visuelle Bilder. Mit dem Hören begeben wir uns in einen Raum, der von unseren ureigenen Reflexen, Erinnerungen und unserem lebendigen Körper mitgeformt wird. Auch in diesen tieferliegenden Gefilden gibt es Sinn, doch ist er still und offen für Unverständliches, Fremdes, Bedrohliches.»
Ganzer Text von Meret Arnold – Kunstbulletin 11/2024

EINE STUNDE UNTER DER ERDE

Der Soundkünstler Dimitri de Perrot lädt in Basel zu einem sinnlichen Trip ins Erdreich. Dabei kommt man sich ganz schön klein vor. Kritik von Florian Oegerli in der bz Basel, 29.3.2025

Es knarzt, es knirscht, es rumpelt und rauscht. Die Geräusche in der warm erleuchteten Stoff-kuppel scheinen aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen.

Kriechen Tiere unter dem Boden? Das Holzpodest, auf dem das Publikum liegt, vibriert sanft. Man spürt es bis in den Bauch hinein. Viele der Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Augen geschlossen, scheinen in eine andere Welt entrückt - ganz ohne Drogen.

Schon der Eintritt in die Rauminstallation, die derzeit in der Kaserne gezeigt wird, ist der Übergang in eine andere Sphäre: Am Eingang müssen alle ihre Schuhe und ihr Gepäck zurücklassen, um jeder und jede für sich durch einen verwinkelten Gang in das Stoffzelt einzutreten - und damit in die Tiefen des Erdreichs. Denn ebenjenes lässt sich in «Unter uns» von Dimitri de Perrot erleben. Dabei hat der international erfolgreiche Soundtüftler einen eigentlich unmöglichen Klangraum erschaffen: Schliesslich ist der Boden kein guter Resonanzkörper. Und doch wähnt man sich als Zuschauer mal als Höhlenforscher, mal als Maulwurf, auf jeden Fall aber ganz klein.

«Der Boden trägt uns, er ernährt uns, und letztlich kehren wir alle dorthin zurück», sagt der Klangkünstler. Dieses Verbindende interessiere ihn. Daher auch der mehrdeutige Titel: Nach der Vorführung ist das Publikum eingeladen, sich in der Kabar über das Erlebte auszutauschen.

In der Kuppel ist es derweil schummriger geworden. Kaum merklich hat sich die Decke abgesenkt, fast meint man sie berühren zu können. Das Publikum scheint im Boden zu versinken, rundherum das Geräusch stürzender Steinbrocken und einer allmählichen Kristallisation. Er habe sich von der Vorstellung einer Versteinerung leiten lassen, sagt Perrot. Dabei würden verschiedene Zeitvorstellungen ineinanderlaufen: Was für das Publikum eine Stunde dauere, sei für die Natur nur ein Augenblick. Die Alpen sind erdgeschichtlich gesehen ja auch eben erst auf die Welt gekommen.

Eine konkrete Geschichte erzählt «Unter uns» nicht. Das wäre auch absurd. Steine kennen schliesslich keine Geschichten. «Immer, wenn ich das Gefühl hatte, die Komposition würde zu menschlich, zu logisch, habe ich sie verworfen», so der Musiker.

Einen Stein zum Singen bringen

Die Töne mögen klingen, als entstammten sie direkt der Natur, sie sind aber alle im Studio entstanden. Dieses Paradies ist also ein künstliches. Als Instrumente diente dem Tüftler, was der Boden so hergibt: Stöcke, Erdkrümel, Stein und Laub werden bei ihm so ausdrucksstark wie Saxofon und Klavier im Jazz.

Man möchte länger in dieser Kuppel verweilen, das Menschsein noch weiter hinter sich lassen. Doch bleibt man nur kurz Gast in dieser fremden Welt: Nach einer Stunde weicht das Grummeln des Erdreichs banaler Fahrstuhlmusik.

Woher sie kommt, wird beim Hinaustaumeln aus dem Zelt klar. Dort setzt ein Verkaufsautomat der anderen Art einen Schlusspunkt unter die Vorstellung. Statt Süssigkeiten enthält er Tannzapfen und Steine. Doch die Natur bleibt unbestechlich: Kaufen kann man hier nichts - nur staunen.

«Unter uns», Kaserne Basel, 27.-29.3., ausverkauft.


CREDITS

Idee, Bühnenbild, Musik, Sounddesign und Künstlerische Leitung: Dimitri de Perrot
Dramaturgie: Anna Papst
Musik – Recherche und Ko-Kreation: Julian Sartorius
Sounddesign – Mix und Technische Umsetzung: Max Molling
Lichtdesign: Tina Bleuler / Patrik Rimann
Bühnenbild – Entwicklung und Konstruktion: Leo Hoffmann
Bühnenbild – Textile Ausstattung: Franziska Born
Recherche und Œil Extérieur: Jessica Huber
Kommunikation & Thinktank Studio DdP: Christoph Meier
Technische Leitung: Raphaël Vuilleumier
Produktionsleitung und Diffusion: Studio DdP

Produktion: Studio DdP
Koproduktion: Gessnerallee Zürich
Partnertheater: Le Centquatre Paris, Festival Archipel Genève, Nona/Broek Festival – Mechelen, Zürcher Theater Spektakel.

Mit der Unterstützung von: Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Stiftung Corymbo, Ernst Göhner Stiftung, Else v. Sick Stiftung, Migros Kulturprozent.

Dank an: Dampfzentrale Bern, Lydia Kluge, Peter Sauter/Nullachtsechzehn, Roman Müller/Ballonarchiv, Schroeder fire balloons, Simon Krautheim/Johann Kogge, Urs Meier/Luft & Laune, ZAZ Bellerive – Zentrum Architektur Zürich.

Dimitri de Perrot entwickelte das Projekt UNTER UNS als «Artist in Residence» des Le Centquatre Paris und erhielt einen «Recherchebeitrag» der Stadt Zürich und der Pro Helvetia sowie einen «Ideationsbeitrag» vom Migros Kulturprozent.

Die Endproben mit Premiere am 7. November 2024 fanden an der Gessnerallee Zürich statt.
Öffentliche Recherche-Momente fanden statt mit den Installationen INTO THE DIRT im März 2023 am Festival Archipel Genève sowie im August 2024 am Zürcher Theater Spektakel und mit IN THE MIDDLE OF SOMETHING im Juni 2024 am Broek Festivals/NoNa in Mechelen, Belgien.

Die Stadt Zürich und der Kanton Zürich unterstützen die Projekte von Dimitri de Perrot/Studio DdP mit mehrjährigen Förderungen. Die aktuelle Förderperiode läuft bis Ende 2027 (Konzeptförderung/ Mehrjährige Gruppenförderung 2024-2027).

Dimitri de Perrot ist «Artist in Residence» im Le Centquatre – Paris.


NEXT


Paris – FR
UNTER UNS – 
Museum Edition
07 – 26 July 2026
Centre Culturel Suisse

Kapolcs – HU
INTO THE DIRT
24 July – 02 August 2026
Vally of Arts Festival

Zurich – CH
INTO THE DIRT
05 Sep 2026
Lange Nacht der Museen / Sukkulentensammlung, Zürich

Oslo – NO
INTO THE DIRT
10 – 19 September 2026
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