Dimitri de Perrot

ABOUT

In meiner Arbeit setze ich Klang als gleichwertiges, theatralisches Erzähl- und Stilmittel zu Bewegung, Sprache oder Bild ein. Erzählen durch Klang ist einzigartig und hoch aktuell; es eröffnet variantenreiche Denkräume, die es aus meiner Sicht heute braucht für ein gemeinsames Morgen.

Das Auge fokussiert, es wählt das Wesentliche aus, lässt anderes unscharf oder blendet es aus. Der Hörsinn hingegen geht nonstop in alle Richtungen und lässt Verschiedenes ko-existieren. Klang ist immateriell und schafft Räume, in denen wir erleben und empfinden können. Klänge leben nur kurz auf und ihr Nachhall ist oft ein innerlicher, denn mit jedem Klang entstehen individuelle Assoziationen. Das macht Klang als Erzählmittel wertvoll: die Ambivalenz, die Einsicht, dass ein und dasselbe für verschiedene Menschen etwas ganz anderes bedeuten kann, und zugleich etwas Geteiltes ist – ein Dazwischen, das uns verbindet und uns spüren lässt, dass wir Teil von etwas sind, das grösser ist als wir selbst und unsere eigene Wahrnehmung.

Das Leben ist nicht immer eindeutig, es spielt sich oft in einem Dazwischen ab, wo der weitere Weg und die Orientierung nicht gleich gegeben sind. Mich zieht dieses «Uneindeutige» an, weil ich es als etwas sehr Lebendiges wahrnehme. In jeder Beziehung zu Menschen oder Dingen gibt es Sachen, die wir nicht wissen, die wir nicht verstehen. Es gibt Geheimnisse, Lücken, Widersprüche und Unerklärliches. Wer sich aber auf solch diffuse Zustände einlässt, wer diesen Kontrollverlust zulässt, dem eröffnen sich womöglich neue Einsichten und Ausblicke. Es entsteht ein Raum für Begegnung, in dem etwas Drittes, Neues entstehen kann oder wo eine Erinnerung in einen erweiterten Kontext tritt und neue Interpretationen zulässt.

Wie finde ich meinen Platz in einem reissenden Informationsstrom des Alltags? Wie finde ich Halt und auch Haltung, die auch das Verstehen des Nicht-Verstehens und das Wissen des Nicht-Wissens zulässt und miteinbezieht in meine Entscheidungen?

Meine Arbeit ist eine Einladung, Situationen des Alltags aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Sie eröffnet einen Erlebensraum, in dem wir fühlen und empfinden können. Was sind Begegnungen? Was und wo ist unser Miteinander? Wo grenzt sich das Individuelle ab und was ist das Kollektive? Wie können wir aus der eigenen Perspektive ein Gefühl fürs Gemeinsame entwickeln, eine eigene Sicht in einen kollektiven Bezug setzen, neben andere Realitäten und Gedanken? Wo und wie entsteht das Gemeinsame aller Unterschiede, Privilegien und Gefälle?

Zuhören verbindet Menschen und baut auf Empathie. Zuhören braucht Zeit: Jemandem oder einer Sache Zeit geben, heisst ihr Raum lassen. Raum in der eigenen Realität, im eigenen Raum. Es ist eine Essenz von Begegnung, von Entdeckung und der Möglichkeit zu Verständnis und Veränderung.

Dimitri de Perrot

BIOGRAFIE

Dimitri de Perrot ist ein Schweizer Klangkünstler, Regisseur, Bühnenbildner und Musiker. Seine künstlerischen Arbeiten schaffen Räume des Hörens – poetische, politische und immersive Erfahrungsräume. Mit Klang als zentralem narrativem, stilistischen und dramaturgischen Mittel entwickelt er Erzählformen, die unsere Aufmerksamkeit für eine vielfältige Umwelt schärfen und die Bedingungen menschlichen Zusammenlebens befragen.

Seine theatralischen Kreationen und Installationen entstehen im Dialog mit Räumen, Orten und Menschen – auf Theaterbühnen, in Museen und im öffentlichen Raum. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Hören als künstlerische und gesellschaftliche Praxis: Wie verändert Zuhören unsere Wahrnehmung? Wie beeinflusst es unsere Begegnungen und unser Zusammenleben?

Dimitri de Perrot begann seine künstlerische Laufbahn als DJ und Turntablist in den 1990er Jahren. Er war Mitbegründer und Co-Leiter der Theaterkollektive MZdP und Zimmermann & de Perrot (1998–2017), deren international gefeierte Arbeiten Musik, Bildende Kunst, Tanz, Clownerie und zeitgenössischen Zirkus verbanden.

Seit 2017 entwickelt er seine Arbeiten im eigenen Produktionsbüro Studio DdP. Seine Produktionen und Kollaborationen wurden weltweit an renommierten Theatern, Museen und Festivals gezeigt, darunter Le Centquatre Paris, Romaeuropa Festival, Hong Kong Arts Centre, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, SPRING – Performing Arts Festival Utrecht, Centre Culturel Suisse Paris, Biennale Prototipoak Bilbao, Museum Tinguely Basel, Kaserne Basel, Zürcher Theater Spektakel, Gessnerallee Zürich, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Le Maillon Strasbourg, La Bâtie – Festival de Genève, Ruhrfestspiele Recklinghausen, Internationale Schillertage Mannheim, Festival Archipel Genève, KorSonoR Genève, Sonic Matter Zürich, EinTanzHaus Mannheim, Ultima Festival Oslo und Trafó – House of Contemporary Arts Budapest sowie Festival d’Avignon, Théâtre Vidy-Lausanne, BAM New York (Brooklyn Academy of Music), Grec Festival Barcelona, Holland Festival, Barbican London, Théâtre de la Ville Paris, Schauspielhaus Zürich, Sydney Opera House und Cairo International Festival for Experimental Theatre und Tokyo Metropolitan Theatre, sowie viele weitere.

Er ist Lehrbeauftragter an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), hat einen Executive Master in Arts Administration der Universität Zürich und ist Artist in Residence am Le Centquatre Paris.

Dimitri de Perrot lebt und arbeitet in Zürich.


PREISE

2021 Schweizer Design Preis für NIEMANDSLAND
2013 Foundation Heinz Spoerli Preis für Zimmermann & de Perrot
2011 Eidgenössischer Preis für Design in der Sparte Bühnenbild für Chouf Ouchouf
2011 Argus Angel Award - Brighton Festival für Chouf Ouchouf
2010 Eidgenössischer Preis für Design in der Sparte Bühnenbild für Öper Öpis
2010 Kulturförderpreis des Kantons Zürich für Zimmermann & de Perrot
2009 Schweizer Tanz- und Choreografiepreis für Öper Öpis
2008 Schweizer Innovations Preis der ATP für Gaff Aff
2008 Eidgenössischer Preis für Design in der Sparte Bühnenbild für Gaff Aff
2007 Prix Mimos – Festival int. du mime Périgueux für Gaff Aff
2005 «Werkjahr Musik» der Stadt Zürich im Bereich Pop / Rock / Jazz
2004 Ehrenpreis der Stadt Zürich im Bereich Tanz an das Künstlerkollektiv MZdP
2002 Preis für die beste Originalmusik für HOI - Kontakt Festival, Torun PL
2002 Preis für das beste Bühnenbild für HOI - Kontakt Festival, Torun PL
2001 Preis für die beste Originalmusik, GOPF - Kontakt Festival, Torun PL
2000 Publikumspreis für GOPF - Bitef - Belgrad Int. Theater Festival
1999 Gewinner des DJ Contest Treppstein - Cool



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